Mehr als ein Turnier. Vier Trainer. Eine Geschichte.
Das frühe Aus der deutschen Nationalmannschaft bei dieser Weltmeisterschaft erinnert mich an die Weltmeisterschaft 1994 in den USA. Auch damals war für die DFB-Elf im Viertelfinale Schluss. Zwei Jahre später folgte überraschend der Europameistertitel in England. Und wo findet die Europameisterschaft in zwei Jahren statt? Im Vereinigten Königreich und in Irland, mit England als einem der Gastgeber.
Deshalb würde ich Deutschland trotz dieser Enttäuschung nicht vorschnell abschreiben. Im Gegenteil: Ich würde heute sogar darauf wetten, dass die deutsche Nationalmannschaft 2028 Europameister wird. Das liegt nicht nur an einem wahrscheinlichen neuen Bundestrainer Jürgen Klopp. Europameisterschaften unterbrechen nicht selten das fußballerische Kontinuum. Dänemark 1992, Griechenland 2004, Italien 2021 oder auch Deutschland 1996 wurden Europameister, ohne dass sich dieser Erfolg lange vorher angedeutet hätte oder daraus eine dauerhafte Dominanz entstanden wäre. Ein möglicher EM-Titel würde deshalb nichts daran ändern, dass der deutsche Fußball weiterhin unter strukturellen Schwächen leidet.
Vielleicht wird es in 30 Jahren eine Dokumentation über diese Weltmeisterschaft geben, so eindrucksvoll wie „Elf Helden. Ein Albtraum.“ über die WM 1994. Stoff dafür gäbe es jedenfalls genug.
Denn diese WM erzählt vor allem die Geschichte der vier prägendsten deutschen Trainer ihrer Generation: Jürgen Klopp, Thomas Tuchel, Julian Nagelsmann und Hansi Flick.Thomas Tuchel folgte Klopp sowohl in Mainz als auch in Dortmund. Immer stand er im Schatten von Klopp. Nie im sportlichen, sondern im menschlichen. Julian Nagelsmann wiederum verkörperte einst das hippe, moderne Trainerbild und trat sowohl beim FC Bayern als auch beim DFB die Nachfolge von Hansi Flick an als das frischere Versprechen. Ein Versprechen, das sich weder in München noch bei der Nationalmannschaft vollständig erfüllte.
Und dann ist da Jürgen Klopp. Klopp füllte die Sehnsucht, die Nagelsmann mit seiner unglücklichen Kommunikation im WM-Jahr weckte.Vielleicht ist genau das die eigentliche Geschichte dieser Weltmeisterschaft. Nicht das sportliche Abschneiden der Nationalmannschaft, sondern das faszinierende Geflecht aus Erwartungen, Nachfolgen, Vergleichen und Projektionen zwischen vier Trainern, deren Karrieren seit Jahren miteinander verwoben sind.